Prävention
Reiseapotheke: gut vorbereitet unterwegs

Welche Reiseapotheke die richtige ist, entscheidet das Reiseziel: Eine Woche Ostsee verlangt anderes als drei Wochen Südostasien. Eine Grundausstattung, nach Funktion sortiert, deckt trotzdem den größten Teil ab. Die Lücken entstehen fast immer an derselben Stelle: bei der eigenen Dauermedikation und den Papieren dazu.
Kurz gesagt
- Sortieren Sie die Reiseapotheke nach Funktion, nicht nach Präparat: Wundversorgung, Schmerz und Fieber, Magen-Darm, Allergie, Haut und Sonne, Insektenschutz.
- Dauermedikation gehört in ausreichender Menge plus Reserve ins Handgepäck, nicht in den aufgegebenen Koffer.
- Medikationsplan, Rezeptkopien und bei Betäubungsmitteln oder Injektionen eine ärztliche Bescheinigung sind so wichtig wie die Präparate selbst.
- Reiseimpfungen und eine Malariaprophylaxe gehören rechtzeitig ärztlich geklärt, mehrere Wochen vor Abflug.
Die Grundausstattung: nach Funktion, nicht nach Präparat
Wer nach Funktion packt statt nach Präparat, merkt schnell, was fehlt, und schleppt nicht drei Mittel mit derselben Aufgabe mit.
Regelmäßig unterschätzt wird dabei die Elektrolytlösung im Magen-Darm-Teil. Bei Durchfall ist der Verlust von Flüssigkeit und Salzen das eigentliche Problem, besonders bei Kindern und älteren Reisenden.
Präparatenamen und Dosierungen stehen hier absichtlich nicht. Welche Wirkstoffgruppe und welche Darreichungsform für Sie passt, hängt von Alter, Vorerkrankungen, Schwangerschaft und Ihrer übrigen Medikation ab: das gehört in die pharmazeutische Beratung.
Woran denken die meisten zu spät?
Nicht an Pflaster. An das Eigene:
- Dauermedikation in ausreichender Menge plus Reserve: für die Reisezeit und zusätzlich einige Tage, falls sich die Rückreise verschiebt oder Gepäck verloren geht. In Originalverpackung, ins Handgepäck, die Reserve auf ein zweites Gepäckstück verteilt.
- Medikationsplan und Rezeptkopien, auf Papier und als Foto. Wer mehrere Arzneimittel dauerhaft nimmt, lässt den Plan vorher aktualisieren: Medikationsplan bei Polymedikation.
- Ärztliche Bescheinigung für Betäubungsmittel, starke Schmerzmittel, bestimmte Schlaf- und ADHS-Arzneimittel, sowie für Spritzen, Pens und Kanülen. Sinnvollerweise mehrsprachig.
- Kühlkette bei Insulin und anderen kühlpflichtigen Arzneimitteln: Kühltasche, kein direkter Kontakt mit Kühlelementen, nie in den Frachtraum.
- Zeitverschiebung bei zeitkritischer Einnahme: Pille, Schilddrüsenhormone, Diabetesmedikation. Der Einnahmeplan wird vor der Reise umgerechnet, nicht im Flugzeug improvisiert.
- Einfuhrbestimmungen des Ziellandes. Wirkstoffe, die hier unauffällig sind, sind in einzelnen Ländern verboten oder anmeldepflichtig, vor der Buchung prüfen.
- Flüssigkeitsregeln im Handgepäck. Flüssige Arzneimittel dürfen über die 100-Milliliter-Grenze hinaus mit, müssen aber getrennt gezeigt und angemeldet werden.
Was kommt je nach Reiseart dazu?
Bei Fernreisen Trinkwasserdesinfektion; in den Bergen Blasenpflaster und Sonnenschutz für die stärkere Höhenstrahlung; mit Kindern alles in kindgerechter Darreichungsform, Fiebermittel möglichst als Zäpfchen; auf der Kreuzfahrt Vorsorge gegen Reisekrankheit und Atemwegsinfekte auf engem Raum.
Checkliste zum Abhaken
Wundversorgung
- Pflaster in mehreren Größen, Blasenpflaster
- sterile Kompressen, elastische Binde, Fixierpflaster
- Wunddesinfektion
- Pinzette, kleine Schere, Einmalhandschuhe
Schmerz und Fieber
- schmerz- und fiebersenkender Wirkstoff, in der Apotheke ausgewählt
- digitales Fieberthermometer
Magen-Darm
- Elektrolytpulver zum Auflösen
- Mittel gegen Durchfall
- Mittel gegen Übelkeit und Reisekrankheit
- Mittel gegen Sodbrennen
Allergie
- Antihistaminikum zum Einnehmen
- bei bekannter Allergie: verordnetes Notfallset, nicht im Koffer
Haut und Sonne
- Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor, Lippenpflege mit Lichtschutz
- Mittel für Sonnenbrand und gereizte Haut
- Wund- und Heilsalbe
Insektenschutz
- Repellent, passend zum Reiseziel
- Mittel gegen Juckreiz nach Stichen
- bei tropischen Zielen: Moskitonetz
Eigenes und Papiere
- Dauermedikation für die Reisezeit plus Reserve, im Handgepäck
- Medikationsplan, Rezeptkopien, Allergiepass, Impfpass
- ärztliche Bescheinigung für Betäubungsmittel und Injektionen
- Kühltasche für kühlpflichtige Arzneimittel
- umgerechneter Einnahmeplan für die Zeitverschiebung
- Einfuhrbestimmungen des Ziellandes geprüft
Wann die Reiseapotheke aufhört und die Arztpraxis anfängt
Unterwegs gilt: Fieber über 39 Grad, blutiger Durchfall, Durchfall über mehr als zwei bis drei Tage, starke Bauchschmerzen, Atemnot, Hautausschlag mit Kreislaufbeschwerden nach einem Stich oder einer Tablette, jedes Fieber bei Säuglingen: das gehört ärztlich versorgt, nicht selbst behandelt. Fieber nach einer Tropenreise ist auch Wochen später noch ärztlich abzuklären, mit dem Hinweis auf das Reiseziel. Reiseimpfungen und eine Malariaprophylaxe sind ohnehin keine Apothekenentscheidung: Sie gehören rechtzeitig ärztlich geklärt, mehrere Wochen vor Abflug.
Häufige Fragen
Wie früh sollte ich die Reiseapotheke zusammenstellen?
Für Reisen innerhalb Europas reichen zwei bis drei Wochen Vorlauf. Bei Fernreisen planen Sie deutlich mehr Zeit ein, weil Impfungen und eine mögliche Prophylaxe zeitliche Abstände brauchen. Fehlende Präparate lassen sich vorher vorbestellen.
Wie lange kann ich die Reiseapotheke wiederverwenden?
Prüfen Sie sie einmal im Jahr. Angebrochene Augentropfen, Nasensprays, Salben und Säfte sind nach dem Öffnen nur begrenzt haltbar; das Datum steht auf der Packung oder in der Packungsbeilage.
Was mache ich, wenn Arzneimittel unterwegs verloren gehen?
Mit Medikationsplan und Rezeptkopie ist Ersatz vor Ort meist organisierbar, weil sich der Wirkstoff eindeutig benennen lässt. Ohne diese Unterlagen wird es schwierig, deshalb sind sie Teil der Reiseapotheke.
Über die Autorin
Theresia Weigel ist Apothekerin und führt die Theresia Apotheke in Geltow seit über zehn Jahren. Reiseberatung ist dort Alltagsgeschäft: vom Familienurlaub bis zur Wettkampfreise von Leistungssportlern.
Vor der Reise: einmal gemeinsam durchgehen
Bringen Sie Reisedaten und Medikamentenliste mit, dann stellen wir die Reiseapotheke zusammen und klären, was ins Handgepäck gehört: pharmazeutische Beratung.


