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Aromapflege

Aromatherapie: ätherische Öle richtig nutzen

Theresia Weigel4 Min. Lesezeit

Ein ätherisches Öl ist ein Konzentrat: wenige Tropfen pro Kilogramm Pflanze. Über die Anwendung entscheidet deshalb nicht die Ölsorte, sondern dreierlei: Qualität, Verdünnung, Anwendungsform. Wer die kennt, macht die häufigsten Fehler nicht mehr.

Kurz gesagt

  • Nur naturreine ätherische Öle sind für die Aromapflege geeignet; „naturidentisch“, „Duftöl“ und „Parfümöl“ bezeichnen synthetische Aromen.
  • Auf das Etikett gehören botanischer Name, Pflanzenteil, Gewinnungsverfahren und Chargennummer.
  • Ätherische Öle kommen nie unverdünnt auf die Haut. Bei Erwachsenen sind 1 bis 3 Prozent im Trägeröl üblich, bei Kindern und älteren Menschen deutlich weniger.
  • Aromatherapie ist Erfahrungsheilkunde. Für die meisten Anwendungen liegt kein Wirksamkeitsnachweis im Sinne der Evidenzbasierten Medizin vor, und sie ersetzt keine Behandlung.

Woran erkennt man ein gutes ätherisches Öl?

Am Etikett, nicht am Duft. Der Preis ist ein Indiz, kein Beweis: echtes Rosenöl kann nicht billig sein, ein günstiges Lavendelöl muss nicht schlecht sein. Aufs Etikett gehören:

  • Naturrein, idealerweise in Arzneibuchqualität. „Naturidentisch“, „Duftöl“ und „Parfümöl“ heißen synthetisch: für Raumduft vertretbar, für die Haut nicht.
  • Botanischer Name. Lavandula angustifolia ist nicht Lavandula latifolia. Steht nur „Lavendel“, wissen Sie nicht, was in der Flasche ist.
  • Chemotyp, wo er die Verträglichkeit bestimmt: Thymian CT Linalool ist mild, Thymian CT Thymol reizt die Haut stärker.
  • Pflanzenteil, Gewinnungsverfahren, Chargennummer. Zimtrinde und Zimtblatt sind zwei verschiedene Öle; ohne Charge gibt es keine Aussage über das einzelne Fläschchen.
  • Braunglas und Verwendbarkeitsdatum. Zitrusöle und Teebaumöl oxidieren schnell, und oxidierte Öle sind der häufigste Grund für Hautreaktionen. Angebrochene Zitrusöle gehören in den Kühlschrank.

Verdünnen ist das eigentliche Handwerk

Ätherische Öle sind nicht wasserlöslich und kommen in ein fettes Trägeröl: Mandelöl (neutral), Jojoba (lange haltbar), Sesamöl (schwerer) oder Aprikosenkernöl für empfindliche Haut. Gerechnet wird in Prozent; 20 Tropfen sind etwa 1 Milliliter.

Die folgenden Zahlen sind Faustzahlen zur Orientierung, keine Dosierungsvorschrift. Was im Einzelfall vertretbar ist, hängt von Öl, Hautzustand, Alter und Anwendungsdauer ab, das klären wir in der Beratung zu Aromatherapie und Aromapflege.

  • Körpereinreibung, Erwachsene: 10 bis 30 Tropfen auf 50 ml Trägeröl (1 bis 3 %). Bei täglicher Anwendung unteren Rand wählen.
  • Körpereinreibung, Kinder: 5 bis 10 Tropfen auf 50 ml Trägeröl (0,5 bis 1 %). Ölauswahl wichtiger als Menge; nicht im Gesicht.
  • Körpereinreibung, Säuglinge, Kleinkinder: nur nach Beratung. Kein Menthol, Eukalyptus, Kampfer.
  • Körpereinreibung, Schwangere, Stillende: 5 bis 10 Tropfen auf 50 ml Trägeröl, nach Beratung. Engere Ölauswahl, im ersten Trimester besonders.
  • Körpereinreibung, Ältere, dünne Haut: 5 bis 10 Tropfen auf 50 ml Trägeröl (0,5 bis 1 %). Niedrig beginnen, Haut kontrollieren.
  • Gesichtspflege, Erwachsene: 3 bis 5 Tropfen auf 50 ml Trägeröl (bis 0,5 %). Keine phototoxischen Zitrusöle vor Sonne.
  • Bad, Erwachsene: 3 bis 8 Tropfen in 1 EL Emulgator. Nie direkt ins Wasser.

Jede fertige Mischung braucht ein Etikett mit Zusammensetzung, Konzentration, Herstelldatum und Verwendbarkeitsfrist, in der Apotheke Teil der Rezeptur und Eigenherstellung, zu Hause genügt Klebeband.

Welche Anwendungsform passt wozu?

Vier Formen deckt der Alltag ab, jede mit ihrem typischen Fehler.

  • Raumbeduftung. Diffuser in Intervallen von 20 bis 30 Minuten. Typischer Fehler: Dauerbetrieb über Stunden, wer sonst im Raum ist, entscheidet mit.
  • Einreibung. Brust, Rücken, Nacken oder Fußsohlen mit der verdünnten Mischung. Typischer Fehler: nach Gefühl tropfen statt zu rechnen.
  • Bad. Öl zuerst in einen Emulgator geben (Sahne, Honig, Dispergator), diesen dann ins Wasser. Typischer Fehler: die Tropfen direkt in die Wanne, wo sie als Film obenauf liegen.
  • Inhalation. Über heißem Wasserdampf mit geschlossenen Augen, milder trocken über ein Taschentuch. Typischer Fehler: zu viele Tropfen; ein bis zwei genügen.

Sicherheit: was nicht gemacht wird

Pflanzlich heißt nicht harmlos. Diese Punkte gelten für jedes Öl:

  • Niemals unverdünnt auf die Haut, auch nicht Lavendel oder Teebaum. Das ist der häufigste Weg in eine dauerhafte Kontaktsensibilisierung.
  • Nicht in die Augen, nicht auf Schleimhäute, nicht auf offene Wunden. Bei Augenkontakt mit fettem Öl auslöschen, nicht mit Wasser.
  • Nicht innerlich ohne fachliche Anleitung. Für einzelne Öle gibt es Fertigarzneimittel in definierter Dosierung; Tropfen aus dem Aromafläschchen belasten Schleimhaut und Leber.
  • Säuglinge und Kleinkinder: keine mentholhaltigen Öle wie Pfefferminze, keine cineolreichen wie Eucalyptus globulus und kein Kampfer im Gesicht- und Brustbereich. Bei Säuglingen droht ein Stimmritzenkrampf.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: engere Auswahl, niedrige Konzentration, im ersten Trimester besondere Vorsicht. Traditionell als wehenwirksam beschriebene Öle bleiben außen vor.
  • Asthma: Duftreize können einen Bronchospasmus auslösen. Keine Dampfinhalation, keine intensive Raumbeduftung, alles Weitere in Absprache mit der Praxis.
  • Epilepsie: campherhaltige und ketonreiche Öle wie Salbei, Rosmarin CT Camphor oder Fenchel gelten als potenziell anfallsfördernd.
  • Phototoxische Zitrusöle: kaltgepresste Bergamotte, Zitrone, Limette, Bitterorange. Nach dem Auftragen mindestens 12 Stunden keine Sonne und kein Solarium, sonst drohen Verbrennungen und bleibende Pigmentflecken. Bergamotte gibt es bergaptenfrei (FCF).
  • Haustiere: Katzen bauen bestimmte Bestandteile nur eingeschränkt ab, auch Hunde und Vögel reagieren empfindlich. Wo ein Tier lebt, wird Raumbeduftung anders geplant, mit Rückzugsmöglichkeit und ohne Dauerbetrieb.
  • Allergietest: einen Tropfen der fertig verdünnten Mischung in die Armbeuge, 24 Stunden abwarten. Rötung, Juckreiz, Kopfschmerz oder Atemenge sind Abbruchkriterien.

Was Aromatherapie leisten kann und was nicht

Aromatherapie ist Erfahrungsheilkunde. Die Zuordnung einzelner Öle zu Anwendungsbereichen stammt aus überlieferter Praxis. Für einige Öle liegen kontrollierte Untersuchungen vor, meist an kleinen Gruppen; für die meisten Anwendungen existiert kein Wirksamkeitsnachweis im Sinne der Evidenzbasierten Medizin. Deshalb sagen wir nicht, wogegen ein Öl hilft, sondern wie es traditionell eingesetzt wird. Ätherische Öle ersetzen keine Diagnose, keine notwendige Behandlung und kein verordnetes Arzneimittel.

Wo die Arztpraxis vorgeht: bei Fieber, Atemnot, Brustschmerz, neuen oder starken Schmerzen, Verdacht auf eine Infektion, ausgedehntem Hautausschlag oder einer allergischen Reaktion mit Schwellung. Auch anhaltende Schlaflosigkeit und über Wochen gedrückte Stimmung gehören dorthin, nicht auf eine Duftmischung.

Häufige Fragen

Kann ich ätherische Öle mit meinen Medikamenten kombinieren?

Bei äußerlicher Anwendung in üblicher Verdünnung sind Wechselwirkungen selten, aber nicht ausgeschlossen. Bringen Sie Ihre Medikamentenliste mit, besonders bei blutverdünnenden Mitteln und bei Hauterkrankungen.

Sind ätherische Öle für Kinder geeignet?

Manche ja, in stark reduzierter Konzentration und mit anderer Ölauswahl. Menthol-, eukalyptus- und campherhaltige Öle bleiben bei kleinen Kindern weg. Die Altersgrenzen unterscheiden sich je Öl und werden vor der ersten Anwendung besprochen.

Was ist der Unterschied zwischen Aromatherapie und Phytotherapie?

Aromatherapie arbeitet mit den flüchtigen Duftstoffen einer Pflanze über Haut und Atemluft. Die Phytotherapie nutzt Auszüge der ganzen Pflanze, meist innerlich als Tee, Tinktur oder Fertigarzneimittel, und ist besser untersucht.

Wer das geschrieben hat

Theresia Weigel, Apothekerin und Inhaberin der Theresia Apotheke in Geltow, führt die Apotheke seit über zehn Jahren. Aromapflege gehört neben Darmgesundheit, Mikronährstoffen und Ayurveda zu ihren Schwerpunkten; Mischungen entstehen in der eigenen Rezeptur, vollständig deklariert.

Wenn Sie eine Mischung brauchen

Welche Öle in Frage kommen und wie stark verdünnt, klären wir im Termin zur Aromatherapie und Aromapflege. Bringen Sie Medikamentenliste und bekannte Allergien mit.

Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei konkreten Beschwerden sprechen Sie mit uns oder Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

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